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Die intensive bayerische Landwirtschaft treibt viel Nitrat ins Trinkwasser. Wasserwerke haben Schwierigkeiten, die Grenzwerte einzuhalten. Brunnen müssen geschlossen oder Wasser beigemischt werden.

Eigentlich ist die Wirtschaftsmacht Deutschland ja bei allen europäischen Vergleichen Spitzenplätze gewohnt. Aber ausgerechnet bei der Qualität des Wassers muss sich Deutschland mit Malta einen traurigen Abstiegsrang teilen.

Konkret geht es dabei um die Verunreinigung der Gewässer durch Nitrate, die zwar in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen ist, aber auch in Teilen Bayerns weiterhin hohe, zu hohe Werte erreicht. Im Oktober 2013 leitete die EU-Kommission deshalb sogar ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland ein, weil es den EU-Grundwasserschutz nicht umsetzt.

Es enthält an vielen Orten zu viel Nitrat, das im Körper teilweise zu Nitrit umgewandelt wird und "zu den am stärksten krebserregenden Stoffen gehört, die wir kennen", sagt Hydrogeologe Alfons Baier von der Universität Erlangen.

Kinder können an Blausucht erkranken

In ganz Bayern mussten wegen zu hoher Nitratwerte seit 1990 schon rund 1000 Brunnen geschlossen werden, bei mehr als 100 Brunnen muss Wasser zugemischt werden, um die vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten.

Zu viel Nitrat führt nach Angaben des Umweltinstituts München bei kleinen Kindern zur Blausucht, einer Krankheit, bei der die Sauerstoffaufnahme ins Blut gestört ist. Agrarwissenschaftler Karl Bär vom Umweltinstitut sagt: "Bei Erwachsenen kann Nitratbelastung des Wassers zu Krebs führen, weil es im Körper zum Teil in krebserregende Nitrosamine umgewandelt wird."

Das Hauptproblem bei der Verunreinigung des Grundwassers ist der flächenhafte Eintrag von Stickstoff – "über landwirtschaftliche Nutzung und in geringerem Ausmaß durch Niederschlag", so LfU-Experte Berger.

Vor allem durch den Nitrat-Eintrag über Gülle aus der Massentierhaltung und Gärreste aus Biogasanlagen werden die Werte nach oben getrieben, und die Wasserwerke haben erhebliche Schwierigkeiten, die Grenzwerte einzuhalten.

Etwas provokant formulierte Geologe Baier in einem Interview, dass man in einigen "Regionen in Nordbayern das Grundwasser direkt zum Düngen für die Felder verwenden kann. So viel an Gülleinhaltsstoffen ist da drin."

Quelle:  Die Welt  17.05.2014

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