12.08.2016, 18:30 Uhr

„Es fliegt uns um die Ohren“

Siedlungs- und Verkehrspolitik im Focus

Die Bilder kennt mittlerweile jeder und sie wiederholen sich in spektakulären, d.h. erschreckend kurzen Zeitabständen: Wassermassen, die sich durch Straßen wälzen und Alles mitreisen, Kanaldeckel die durch den Abwasserdruck durch die Lüfte segeln, Vollgelaufene Keller und Tiefgaragen, Zerstörung und Leid vielerorts.

Urbane Hochwässer sind kein alleiniges Naturphänomen  sondern hausgemachte Katastrophen. Mit einer verantwortlichen, nachhaltigen und umsichtigen Kommunalpolitik ließe sich so manches Hochwasser vermeiden oder zumindest abmildern ist sich Ortsvorsitzender Kaspar Müller sicher.

Stadträtin Edeltraud Rilling erinnerte unlängst an einen Grünen Antrag, der bereits vor über 25 Jahren im Stadtrat gestellt wurde und eine Bodenentsiegelung, bzw mehr Versickerungsmöglichkeiten für Regenwasser einforderte. Die negativen Auswirkungen des „Betonierungswahns“ waren für interessierte Bürger damals schon zugänglich. Es vergingen nahezu 20 Jahre bis der Stadtrat endlich beschlossen hat, Vorgaben zur Reduzierung der in die Kanalisation geleiteten Wassermengen zu machen.

Gleichzeitig unterließ man es sträflich, die umweltfreundlichen Verkehrsmittel zu fördern. Kurze, direkte Verbindungen für Radfahrer und Fußgänger wären Notwendig. Durchaus auch eine Vorrangbehandlung dieser nachhaltigen Verkehrsarten. Stattdessen mutet man dem schwächsten Verkehrsteilnehmer weite Umwege zu und es wurde weiter vorrangig  in die Infrastruktur für das Automobil investiert. Die Nachhaltigkeit blieb auf der Strecke.

Freilassings Verantwortliche waren da keine Ausnahme, in der Summe fliegt uns nun das Ergebnis unseres Handelns um die Ohren meinte Altstadtrat Ernst Wohlschlager. Katastrophale Luftschadstoffwerte belasten nicht nur Metropolen wie Peking oder London, sondern auch München, Stuttgart oder Salzburg. Um diese in den Griff zu bekommen, wird man wohl auch nicht mehr um Kfz – Aussperrungen umhinkommen. Es sei mehr als traurig, wenn mittlerweile Gerichte wie gerade in München, die Staatsregierung zum handeln zwingen müssen. Es müsse ein gehöriges Umdenken im Rathaus einsetzen um das Ruder noch herumzureißen meinte ein Teilnehmer.

Stadtrat Willi Schneider erinnerte an die ISEK Erhebungen, die dokumentieren, dass über die Hälfte aller Wege in Freilassing zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn zurückgelegt werden. Dieses Potential ließe sich durchaus noch steigern wenn die notwendigen Maßnahmen in die Wege geleitet werden könnten.

Der derzeitige Umbau der Münchener Straße sei ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings reicht es nicht den Autoverkehr nur langsamer und somit flüssiger zu gestalten. Es müssen deutlich mehr Anreize geschaffen werden, damit Bürger leichter auf das Auto verzichten. Nur wenn ich schneller und sicherer zu fuß oder mit dem Rad von A nach B komme, nehme ich dieses Angebot auch an. Gewinnen würden alle. Nicht nur Lebensqualität durch weniger Lärm und Abgase, sondern auch ein mehr an Sicherheit und weniger Staus würden auf der anderen Seite zu Buche schlagen.

Eine umsichtige Siedlungspolitik zeichnet sich mit mehr Angeboten für ÖPNV und Fahrradfahrten aus. Wird das Sonnenfeld bebaut benötigen wir zwingend eine direkte Anbindung zum S-Bahnbetrieb. Aber auch eine direkte Verbindung der südlichen mit der nördlichen Stadt für Fußgänger und Radfahrer wäre unumgänglich, stellte Kaspar Müller fest und verweis noch einmal auf den ISEK Prozess.

Von: Kaspar Müller

"Asphalt- und Pflasterwüste" Großflächige Versiegelung am Bahnhofsvorplatz in Freilassing

Kategorie: Freilassing